info

Der Gehängte

Der Gehängte
Das Leben zeigt uns nicht immer auf Anhieb, was wir sehen sollten, um zu verstehen. Ebenso ist es mit der Tarotkarte Der Gehängte. So scheint es auf den ersten Blick, als würden wir festsitzen, in der Klemme stecken. Schauen wir jedoch genauer hin, so werden wir feststellen, dass die äußere Unbeweglichkeit der nicht frei gewählten Ruhe notwendig ist. Sie stellt zudem eine gute Gelegenheit dar, tiefgründig zu forschen und die Ergebnisse zu einer gewandelten Weltansicht und zur Lebensumkehr zu nutzen. Die Passivität, zu der wir durch solche Situationen genötigt werden, können am besten am Bild einer Krankheit verdeutlicht werden. Tatsächlich werden Krankheiten oft in der Legung durch diese Karte angezeigt. In der englischen Sprache wird „hängen bleiben“ auch mit „hanging on“ beschrieben – „dran bleiben“. Es ist also nichts Endgültiges in dieser Karte beschrieben. Vielmehr handelt es sich eine Angelegenheit, die die gesamte Aufmerksamkeit dieser Person benötigt. Nur als Ganzes, als Einheit kann sich aus dieser Position befreit werden. Auch wenn die entstandenen Probleme zeitweilig unüberwindbar scheinen, können sie doch mit Ruhe und Geduld gemeistert werden.

Im beruflichen Bereich scheint Der Gehängte alles in Slow Motion zu versetzen. Die Bearbeitung von Projekten geht nicht voran. Anstehende, lang erwartete Beförderungen werden nicht ausgesprochen. Die Arbeitssuche gerät ins Stocken, da einfach keine geeigneten Angebote zu finden sind. Die Planung größerer Projekte kann im Augenblick nicht weiter verfolgt werden. Egal, in welchem Bereich einen diese Stockungen erreichen – sie kommen total überraschend, völlig unerwartet. Nehmen wir sie zunächst noch nicht richtig wahr, da sie sich als Kleinigkeiten offenbaren, so werden wir uns über ihren steten Verbleib und das größer Werden der Schwierigkeiten und dem letztendlichen Stillstand umso mehr wundern. Nichts ist in der Lage, die Situation zu ändern. Sind wir jedoch bereit, uns unser Innerstes anzuschauen, werden wir verstellen müssen, dass wir uns auf dem Irrweg befinden. Dagegen hilft nur die Einsicht und die Bereitschaft, umzukehren, umzulernen, sich von den bestehenden Problemen zu distanzieren. Die anfänglichen Kleinigkeiten, die wir meist übersehen haben, können oft die besten Helfer auf dem Weg der Umkehr sein.

Die Bewusstseinsebene ist leider nicht von einer Krise ausgeschlossen. So verrennt man sich schon mal in eine feste Vorstellung und bemerkt, dass es kein Vorwärts und kein Rückwärts mehr gibt. Viele Situationen können im Leben auf uns treffen. Sie können uns, gerade wenn sie länger andauern, uns zermürben. Dies werden sie solange machen, bis wir bereit sind einzulenken, umzudenken, die Welt mit anderen Augen sehen. Erscheint diese Karte, kann es passieren, dass sich unser Unterbewusstsein merkwürdige Wege aussucht, damit wir letztlich umdenken. Dies können längere Krankheiten, Arbeitslosigkeit oder ähnliche Vorkommnisse sein, die uns mürbe machen. Befinden wir uns dann endlich auf anderen Wegen, mit einer anderen Sichtweise der Dinge und der Welt, erscheint es uns unglaublich, wie lange wir blind durch das Leben gegangen sind und uns auf die falschen Dinge konzentriert haben. Seltsam, wie lange man etwas betrachten kann und dann mit einem Male die Erkenntnis direkt vor Augen hat.

Fällt diese Karte beim Betrachten der persönlichen Beziehungen, so zeigt sie ihre unangenehmste Seite. Denn wir hängen in unserer eigenen Situation, die wir definitiv als unangenehm empfinden, fest. Da ist es nicht von Bedeutung, ob wir schon lange alleine leben oder uns in einer Beziehung befinden, die uns bedrückt und uns an der Liebe zweifeln lässt. Doch möchte Der Gehängte uns zum Umdenken bringen. Wir sollen verstehen, was wir falsch gemacht haben. Denn nur so können wir uns selber garantieren, dass uns exakt dieser Fehler nicht noch einmal passiert.
Eine schöne Umschreibung des Gehängten ist die Entsprechung aus dem I-Ging: Hexagramm 12 – Pi – Die Stockung. Denn genau das ist es: Ein Fluß, in dem sich ein Damm oder ähnliches aufgebaut hat bzw. aufgebaut wurde, sodass das Wasser nicht mehr fließen kann. Das Äußere verhärtet sich, während das Innere ins Chaos gestürzt wurde und seinen ursprünglichen Fluss nicht mehr kennt.