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Das Gericht

Wird sich bei der Deutung dieser Tarotkarte direkt an das eigentliche Wort angelehnt, so ist diese Karte sehr schnell falsch zu verstehen. Denn automatisch wird an das Richten über eine Straftat, eine Bestrafung, dem Jüngsten Gericht und der damit möglichen Verdammnis, also mit Angst und Schrecken, gedacht. Setzt man sich jedoch eingehend mit dem Bild der Karte Das Gericht auseinander, so wird man feststellen, dass die dazugehörigen Attribute nicht mit dem Genannten in Verbindung zu bringen sind. Ganz im Gegenteil: Das Bild auf dieser Tarotkarte stellt einen Trompete spielenden Engel dar. Die in den Kisten befindlichen Menschen strecken ihm die Arme entgegen. Daher kann man von der Auferstehung ausgehen. Ein ergreifendes Erlebnis, das Erlösung und Befreiung von allem, was vorher verschüttet oder eingesperrt war, verspricht. Dadurch ist es dem Wahren, dem Göttlichen möglich, wieder ins Licht zu gelangen. Dieser Effekt gibt der Karte eine ausschließlich beglückende Bedeutung. Der alles entscheidende Schritt, der notwendig ist, um die Selbstwerdung zu vollenden, ist einem alchimistischen Wandlungsprozeß gleich zu setzen.

Betrachtet man diese Tarotkarte Das Gericht von einem alltäglichen Standpunkt aus, so steht sie für Befreiung und Entledigung der alltäglichen Sorgen und Nöte, die einen vielfältigen Charakter haben können. Doch auch Hemmungen, übertriebene Scheu, festgefahrene oder undankbare Situationen und Verbindungen können hiermit ihren Abschluss finden. Einige bedeutende Tarotkartenleger vergleichende Das Gericht mit einer Schatzkarte, auf der der innere Schatz, den es zu bergen gilt, markiert ist.

 

Auf der beruflichen Ebene ist, wurde diese Karte gezogen, mit einer eventuell sehr abrupten Veränderung zu rechnen. Diese tritt häufig in Form einer Kündigung und der damit verbundenen Notwendigkeit auf, sich nach einem neuen beruflichen Umfeld um zu sehen. Nur durch diesen, meist befreienden Schritt entsteht die Option, sich einer Aufgabe hinzugeben, die einen ausfüllt, die man mit Freuden verrichtet. Taucht diese Karte ohne eine berufliche Veränderung auf, so steht sie auch für das Auflösen von Sorgen und Belastungen, die das Berufsleben heimgesucht haben. Für Menschen, die sich in einer Ausbildungssituation befinden, kann sie der Vorbote für das Erreichen des Prüfungs- oder Ausbildungszieles bedeuten.

 

Bisher vernachlässigte Charakterzüge und Fähigkeiten brechen sich Bahn, wenn diese Karte auf der Bewusstseinsebene auftaucht. Für gewöhnlich geht diese Veränderung mit dem Verschwinden der persönlichen Schattenseiten einher. Fixe Ideen, Verstrickungen aus alten Zeiten, aber auch das Gebundensein lösen sich auf und geben einem klaren Blick den Weg frei. Die Belohnung wird unendliche Freiheit und Wahrnehmung der wahren Größe der Schöpfung sein.

 

In unseren persönlichen Beziehungen verhilft uns das Gericht zu einer Wandlung, die unser tiefstes Inneres berührt. Durch diese Berührung wird unserem wahren, inneren Schatz dazu verholfen, an die Oberfläche gelangen zu können. Ist unser wahres Selbst erst einmal freigelegt, so wird es sich selbstverständlich auf alle Beziehungen, bestehende aber auch kommende, auswirken. So wird nicht mehr der Traumprinz gesucht. Statt dessen hält jeder Ausschau nach dem einen wahren Partner, nach den echten Freunden, die man nur mit dem Herzen finden kann.

 

Das Gericht entspricht dem Hexagramm 40 des I-Ging – die Befreiung. Auch hier geht es um die Befreiung der inneren Werte. Jedoch besagt das I-Ging, dass die Veränderung nicht ohne entsprechenden Tumult von statten gehen kann. So wird die Überwindung der vermeintlichen Gefahr als reinigendes Gewitter beschrieben. Wie nach einem Gewitter klärt sich die Atmosphäre, der Unrat wurde durch den Regen hinweg gespült, eventuelle Gefahren hält der Donner mit seinem Grollen fern. Dennoch wird hier das Erreichte als Etappensieg beschrieben. Aber genau das ist das Leben ja – eine Aneinanderreihung der verschiedensten Etappensiege mit dem endgültigen Ziel des Aufstiegs ins Licht.